Diese Woche war wieder Spätschicht angesagt. Bis auf einen freien Tag haben meine Kolleginnen und ich Dienst bis 20 Uhr gemacht.
Deutlich spüren wir Kassiererinnen (aber auch die Kollegin von der Käsetheke jammert) einen Stimmungswandel.
Waren letzte Woche noch alle dankbar, daß es uns, keine Ausfälle und Klopapier für jeden gibt, war die Meckerei doch recht groß, daß jeder nur 1x Toilettenpapier kaufen durfte und max. nur 2x Mehl, H-Milch und Konserven.
Nein, daß gefällt dem "Eingesperrten" nicht, daß er/sie am Tag (!!!!) nur zwei Mehl kaufen kann oder nur 2 H-Milch. "Bei Frischmilch gibt es keine Beschränkung", wird ihm erklärt, "Sie können doch diese nehmen." Nein!!!!!! Die will man nicht haben.
Zu mir: "Haben Sie gelbe Säcke?" Ich bestätige das. "Ich nehme zwei!" Ich: "Nein, Sie können leider nur eine Rolle haben. Eine pro Haushalt!" (Das war schon immer so, hat mit Corona gar nix zu tun!!!) "Ich nehme aber trotzdem zwei, eine für meinen Vater." Mittlerweile war ich genervt von diesem vorwurfsvollen Ton, daß ich sagte, sie hätte es mir auch freundlich erklären können, dann hätte ich ihr auch zwei gegeben.
Die gute Stimmung ist unter der Kundschaft weg. Kaum mehr Freundlichkeit. Verständnis ist gar keines da, weder für uns, die fehlende Ware oder das Gegenüber, was ebenfalls einkauft, noch für den Vorder- oder Hintermann.
Eine Kollegin ist ganz scharf angemacht worden, sie hatte daran schwer zu knabbern, ich weiß aber nichts genaueres.
Das Geld wird einem manchmal nur hingeworfen und gelächelt wird deutlich weniger.
Ja, ich weiß und wir hinter den Kassen wissen das alle, ALLE sind "eingesperrt", allen fällt die Decke auf den Kopf, aber dafür können wir doch nix! Manche sehen vielleicht mittlerweile auch, daß das Geld knapp wird, aber auch dafür können wir nichts. Die Wagen sind immernoch rappelvoll und immernoch wird gekauft wie irre. Täglich! Manchmal zweimal täglich! Manche sogar drei mal!!!!!
Seitdem man Mundschutz und Handschuhe trägt, sind die anderen Aussätzige.
Seitdem man sich vermummt und verhüllt schaut man unfreundlich.
Selbst auf der Straße ist das freundliche Hallo beim sich begegnen nicht mehr drin, ja man wird nicht mal mehr eines Blickes auf der beschissenen Gasse gewürdigt.
Hab ich heute eine Mutter gesehen und vor allem gehört. Manche reden ja wohl auch noch extra laut. Papa, Mama, Sohn und Tochter. Die Mutter mault den Sohn an, ca. 10 Jahre, Tochter ca. 8. Mutter wird immer lauter und lauter. Kurze Pause, dann nochmal lauter schreit sie den Sohn an. Ich bin hin und machte mit den Händen ein Zeichen und sagte, bitte leiser und sie meinte zu ihrem Sohn: "Siehst du, du bist zu laut. Wie peinlich." Die brüllende Mutter hat nicht gemerkt, daß sie die Bekloppte ist. Ich habe mich nicht getraut was zu sagen, ich war im Dienst. Privat hätte ich es getan!
Nee, Ihr alle da draußen (ich meine jetzt nicht Euch persönlich, aber vielleicht habt Ihr es selbst auch schon bemerkt, vielleicht auch an Euch selbst), die Zeit nach Corona ist noch nicht gekommen. Es wird so weitergehen und es wird sich auch nicht sofort alles wieder ändern. Es werden Schritt für Schritt die Dinge wieder öffnen, ich vermute die Schulen und Kitas zuerst.
Das man genervt ist, kann man noch verstehen, aber laßt es nicht an uns aus! Bei uns herrscht Notstand... wenig Personal, doppelte Leistung. Es ist nicht mal die Zeit da, daß jemand unsere neuen, schicken, hellblauen Arbeitshemden sortiert und verteilt.
Aber auch ich jammere auf hohem Niveau, denn ich habe großartige Kinder zuhause, die viel im Haushalt helfen. Ich habe nette Kollegen und Kolleginnen, die bemüht sind, ein freundliches Klima zwischen uns zu haben. Da wird einem ganz anders, wenn man an diejenigen denkt, die zuhause Angst vor dem Mann und Vater haben. Der vielleicht die Mutter oder das Kind grün und blau schlägt und bestimmt gibt es auch so manche Mutter, die ihr Kind verprügelt wegen irgendeiner Nichtigkeit.
Und ich denke an die alte Dame - sie wohnt genau hinter unserem Supermarkt - sie sagt mir immer: "Wissen Sie, ich kenne noch den Krieg, aber so viel Angst wie ich jetzt habe, hatte ich damals nicht. Und solch eine Einsamkeit!" Naja, damals war sie ein kleines Kind, heute begreift sie viel mehr, dennoch ist das ihre Aussage.
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| sieht doch aus wie ein lachendes Spiegelei, oder? |
So, Ihr Lieben, daß war´s von der Front :)
Bleibt gesund.
die liebe Nana