Freitag, 24. Oktober 2014

Erklärung der Glasscherben

Wie einige von Euch wissen, begann ich am 23.08. diesen Jahres eine kleine und private Aktion: ich sammelte alle gefundenen Glasscherben an unserem Strand. Diese waren ja nur in einem Abschnitt zu finden und nach 2 Wochen bereits 1,7 kg schwer, so daß ich diverse Stellen anschrieb.

Leider waren mir die Antworten nicht "gut" genug und ich hakte an anderen Stellen nach.

Wollt Ihr genauer wissen, wen ich alles anschrieb?

Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg (WSV)
Greenpeace
Institut für Natur- und Ressourcenschutz, Kiel
Stiftung Lebensraum Elbe
und die
Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)

* Das WSV schien mich mit wenigen Sätzen abservieren zu wollen.

* Greenpeace antwortete lächerlich, da sie es gleich auf´s KKW bezogen, was gar nicht zur Debatte stand.

* Das Institut reagierte prompt und hilfsbereit, man leitete meine mail weiter und nannte Ansprechpartner.

* Die Stiftung hatte auch keine Erklärung, aber sie lobten mein Privatengagement.

Die BfG antwortete nicht nur einmal, nein, viele male und immer hielten sie mich auf dem Laufenden. Und diese Woche erhielt ich dann die Abschlußmail mit einem mehrseitigen Bericht zu meiner Anfrage.

Vielleicht ist die Antwort nicht umwerfend im Resultat, aber man hat sich echt viel Mühe gegeben, mir eine "gescheite" Antwort zukommen zu lassen und die will ich Euch (auszugsweise) ebenfalls zukommen lassen:

Man kann ausschließen, daß das Glas nicht aus dem Meer kommt, weil es a) nicht über lange Strecken wandert und b) der Prozentsatz an Glas im Wattenmeer weniger als 5% ausmachen. Das Müllproblem der Meere ist Plastik, nicht Glas.
Es kommt nicht - wie zuerst vermutet - aus der Böschung (Böschungsunterbaumaterial), darauf schließt man anhand der scharfen Kanten.
Das Glas stammt nicht aus den Sedimenten des Baggerguts der Elbe, Stichproben vor Ort wurden genommen. Hier sei gesagt, daß diese Proben nicht aus diesem Jahr stammen!

Dann wurden Fotos mitgeschickt, die deutlich machen, wie das Wasser der Elbe bei Flut und Ebbe fließt und wieso es gerade an dem von mir besuchten Strandabschnitt zu diesen Glasscherbenmengen kommt.



Die Zeichnungen gefallen mir sehr gut und machen mir vieles klar. Wer hier vor Ort wohnt, kennt natürlich die Stellen alle gut, Ihr müßt da schon ein bischen genauer hinschauen um zu verstehen, wieso das Wasser dort "wirbelt".

Des weiteren wurde erkärt, daß 1,7 Kilo Glas zwar nach viel klingen, aber als Flaschen selbst nur wenige darstellen. Man erwähnte, daß eine Bierflasche ein Leergewicht von ca. 350 Gramm habe und eine Mineralflasche ca. 600 Gramm, somit handele es sich bei meinen Funden um nur wenig Flaschen. Diesen Aspekt hatte ich nicht mal in Betracht gezogen, fand das aber sehr interessant.

Das Fazit in diesem Bericht war:

Die Glasscherben rühren wohl daher, daß sie vor Ort (oder in der Nähe) ins Wasser geworfen wurden.

Vielleicht findet Ihr die Erklärung nicht gut, aber

1. habe ich den Bericht vor mir liegen und es wirkt alles andere als "es sich leicht gemacht".
2. Bei den Mengen an Schiffen und Segelbooten, die hier täglich an unserem Dorf vorbeifahren, gibt es bestimmt eine Menge Idioten, die mal was über Bord gehen lassen.
3. Gibt es auch hier genügend Schwachköpfe vor Ort und Urlauber und Tagesbesucher am Deich, die sicherlich auch gerne mal was liegen lassen an den Steinen oder ins Wasser werfen.

Ich möchte diese Antwort akzeptieren als gute Erklärung. Auch wenn mir die Glasscherben dadurch immernoch mehr als unsympathisch sind. Aber viele haben eine Antwort gesucht und gefunden, es soll gut sein. Meinen herzlichen Dank an dieser Stelle geht an
Dr. Winterscheid vom BfG.

Ich werde nicht mehr weitersammeln, aber wenn ich Scherben sehe, werde ich sie - wie all die Jahre auch - aufheben und wegwerfen.

Aber jetzt sind die Mülleimer abgebaut am Deich... die kalte Jahreszeit beginnt und ich werde bald Handschuhe tragen.

Wer sich für den Bericht interessiert, kann mich gerne anschreiben und ich leite ihn per mail weiter.

Das war nun ein langer Post mit viel Text und ich danke allen, die bisher mitgelesen haben.

Und diese Woche geht´s weiter mit einem Buch...

bleibt dran!


Kommentare:

  1. Hallo Nana,
    spannende Geschichte! Zum einen, wie unterschiedlich die Antworten ausfallen, zum anderen aber auch die Erklärung mit der Strömung und den Wasserwirbeln. Danke, daß Du uns an den Ergebnissen hast teilhaben lassen.
    LG Maaia

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  2. Hallo Nana,
    ich habe deine Scherbensammelaktion immer verfolgt und finde das total interessant. Manches erklärt sich auf diese Weise tatsächlich, auch wenn das Ergebnis sich dadurch nicht ändert. Weitersammeln ist das Einzige, was hilft.... wenn auch nur sehr partiell.
    LG
    Valomea

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  3. Hallo Nana,
    WOW, alle Achtung, die haben sich ja wirklich Mühe gegeben und Antworten geliefert. Nach den ersten, sehr unbefriedigenden Reaktionen ist das doch sehr beeindruckend. Frustrierend ist es natürlich schon, immer wieder den Müll anderer Leute zu finden, aber, wie Du ja schreibst, leider gibt es immer wieder Idioten. Zu dumm nur, daß die Strömung das dann alles an "Deinen" Spaziergangstrand spült. Ich finde es ganz toll und bewundernswert, daß Du da so hartnäckig dran geblieben und nachgeforscht hast - KLASSE!
    Liebe Grüße sendet Beate

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  4. Liebe Nana, also keine Nixentränen.
    Dass die BfG Deine Anfrage so ernst genommen hat, finde ich toll. Und dass Du Dich so damit auseinandergesetzt hast, ebenso.
    glg Susanne

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  5. Na das ist doch schön, dass da jemand saß, der sich diesem Problem angenommen hat! So wie du auch!

    Gruß Marion

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  6. Liebe Nana,
    danke, dass Du uns immer auf dem laufenden hälst. Das eine Glasflasche so viel wiegen kann, daran habe ich auch noch gar nicht gedacht. Sehr interessant und toll, dass sich wenigstens eine Stelle solch eine Mühe macht und auf Fragen antwortet.
    LG, Rike

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  7. danke dafür, dass du die aufgeworfene Frage so verfolgt hast. Und ich finde toll, das sich auch ohne großen öffentlichen Druck jemand der Frage angenommen hat und sich dem gestellt hat. Es zeigt, wem etwas auffällt, der sollte danach fragen.
    Winkegrüße Lari

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  8. Liebe Nana,
    mit großem Interesse habe ich auch diesen Bericht wieder gelesen, kenne ich doch vom Urlaub das Müllproblem am Strand. Sehr interessant sind deine Erfahrungen mit den verschiedenen Organisationen. Schön zu lesen, dass die Behörde die Anfrage ernst nahm und sich die Mühe machte, ausführlich zu antworten. Hätte ich nicht erwartet!
    Viele Grüße!
    Beate

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  9. Liebe Nana,
    das ist ein tollen Engagement! In unserer Umgebung gibt es zweimal im Jahr eine Müllsammelaktion, an der sich immer so ca. 20 Personen beteiligen...stell dir mal vor 20 mal 1,7 Kilo.......dann ist deine kleine Zahl schon größer. Ich ziehe meinen Hut vor deine Mühe. Herzlichen Gruß claudi

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  10. Hallo Nana,
    habe deine Scherbensammelaktion auch verfolgt und freue mich zu lesen, das du nun eine "richtige" Antwort bekommen hast. Und danke für's hier zeigen und erklären!
    Lieben Gruß, Marlies

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  11. Sehr spannend, dein Bericht. Als Kind fand ich diese bunten, rundgeschliffenen Glasscherbenfunde am Meer soo schön. Tja , heute ist man schlauer und manchmal sprachlos ob der Gedankenlosigkeit anderer.

    Herzlichst, Petruschka

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Zeit ist kostbar - meine und auch Deine - und so danke ich Dir herzlich für Deinen Kommentar und daß Du Dir die Zeit für mich genommen hast.

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