Samstag, 8. September 2012

Frauenrechtsquilt # 2

Der neue Block des Frauenrechtsquilts ist herausgegeben und der war gar nicht so einfach zu nähen. Und wie bereits angekündigt, widme ich jeden Block einer Person oder Gruppe, so wird mein Quilt ein ganz persönliches Werk.

Ich widme meinen Block Nr. 2 meiner Oma, den liebsten Menschen, den ich je gekannt habe.

Wir Enkelkinder nannten sie Maine-Oma, der Fluß Main steckt darin und sie war ein Frankfurter Mädchen. Sie ist die Mutter meiner Mutter und wir sind die 5. Generation Mädchennachkommen, denn schon ihre Mutter hatte nur Schwestern und so ging es weiter bis heute - ich habe Mädchen, meine Schwester hat ein Mädchen und selbst meine Cousine hat ein Mädchen.
Meine Oma war der wunderbarste Mensch, den man sich nur vorstellen kann und eine wundervolle Oma. Wie sie als Frau oder Mutter war, das spielt für mich keine Rolle, ich kenne sie als gütige Oma, die nichts für mich empfand als Liebe.
Meine Oma war mit einem schwierigen Mann verheiratet und nicht immer war ihr Leben leicht. Sie erzählte mir oft, wie sehr sie ihren Vater liebte, wie schwer es im Krieg in Frankfurt war, wie gerne sie arbeiten ging und wie sehr sie ihr erstes Enkelkind liebt... mich. Sie erzählte mir auch von mir, damals, als ich klein war, krank war, Sahne liebte und mich Nana nannte.

Erst sehr spät lernte meine Oma Hosen kennen. Kaum vorstellbar, aber so war es. Ganz früher kannte ich sie mit Kitteln, später legte sie diese ab. Und wenn man sie abholte, weil man mit ihr etwas unternehmen wollte, da wußte man, daß sie gestriegelt und geschniegelt fertig auf einen wartete. Immer war sie piccobello. Sehr gerne trug sie dieses.... wie heißt nochmal das Muster?... Hahnentritt?... Kleid mit dem Muster oder ein dunkelblaues und darin ein rosanes Tüchlein in der Brusttasche.
Sie kochte lecker, wenn auch aus heutiger Sicht vitaminabtötend, sie backte den wunderbarsten Käsekuchen der Welt, machte die unglaublichste Frankfurter Grüne Soße und rauchte bis zum Schluß. Sie strickte gut und viel und sie stickte. Kleine, zarte Röslein auf eine unendlich großen Tischdecke. Von ihr lernte ich, daß die gute Stickerin an ihrer Rückseite der Stickarbeit zu erkennen ist. Sie brachte mir das Häkeln bei. Sie war Stadtmensch, durch und durch, liebte Wolle und Tischdecken, die sie in Massen hatte. Sie erzählte mir, wie gerne sie es gesehen hätte, wenn eine ihrer beiden Töchter in Weiß geheiratet hätten.
Eines Tages erlitt sie einen Hirnschlag. Sie konnte nicht mehr sprechen und auch was sie sonst so mitbekam, war nicht ganz sicher. Ich wohnte hier im Norden, war also schon weggezogen und bekam das alles nicht so richtig mit. Und dann kam eines Tages der Anruf, daß sie gestorben sei.
Meine Oma war tot. Ihre Beerdigung war noch vor unserer Hochzeit (in Weiß!) und auch hatte sie nicht gewußt, daß ich schwanger war. So steckte ich mit einer Nadel ein Ultraschallbild an die Schleife des Trauerkranzes und auch bei meiner Hochzeit hatte ich ein Bild von ihr in meiner Tasche.
Das ist nun lange her, 10 Jahre bestimmt und doch fehlt sie mir. Und wenn ich einmal Oma werden sollte, dann wünsche ich mir, so zu sein wie sie.

Und für sie ist dieser Block.

In tiefer Liebe!







Kommentare:

  1. Hallo, Nana, da hast Du Deiner Oma aber ein schönes Denkmal gesetzt, ich sehe sie förmlich vor mir!!! Wie schön, dass durch dieses schöne Hobby auch solche Erinnerungen wieder wach gerufen werden!
    Liebe Grüße von Regina

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  2. Liebe Nana,
    ich habe Gänsehaut und Tränen in den Augen.
    Ich dachte zu Beginn von Deinem Post schreibst Du von meiner Oma, die ich nur 10 Jahre meines Lebens haben durfte.
    Liebe Grüße Grit

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  3. Hallo Nana,

    eine bewegende Geschichte mit sehr viel Liebe und Achtung für Deine Oma. Sie hat einen grossen Platz in Deinem Herzen.

    LG Lotti

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  4. Liebe Nana,
    ich habe keine Worte, so sehr hat mich dein Post bewegt. Und so sage ich nur: auch ich hatte sehr liebevolle Oma´s und vielleicht deswegen...
    Mach´s gut...
    sigisart

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  5. Deine Geschichte hat mich bewegt .. Ich hatte nichts von meinen Omas .. eine war schon gestorben als ich geboren wurde und die andere war Bettlägerich ..also kenne ich das nicht ,eine Oma zu haben !!
    Liebe Grüsse
    aus dem noch heissen
    Spanien

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  6. Eine sehr schöne Geschichte,mußte sofort an meine Omas denken.
    Zwei tolle Großmütter hatte ich,(eigentlich drei)Denn die Mutter vom meinem Vater ist sehr früh gestorben,da war mein Vater 6Jahre alt.Aber die zweite Frau von meinem Opa.....hätte keine besere Omi haben können,eine Seele von Mensch.
    Meine Opas die waren auch Spitze,das muß ich auch mal sagen.
    Ich bin mit Oma Und Opa im Hause groß geworden,wie meine Söhne mit meinen Eltern,ich habe es als Kind genossen,meine Jungs auch.
    Inzwischen habe ich 5 Enkelkinder und hoffe das sie sich später auch so liebevoll an mich erinnern.
    Liebe Grüße
    Gitta
    Ich denke oft an die beiden.

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  7. Wie schön Deine über Deine Oma geschrieben hast, liebe Nana. Ich finde es total süß, dass Du dieses Hahnentrittmuster eingeflochten hast. Puh, ich war ja ergriffen, eben beim Lesen... Schönen Gruss von Cosmee

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  8. Welch eine schöne Idee, jeden Block einem lieben Menschen zu widmen.
    Liebe Grüße
    Renate

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  9. Hallo Nana, auch ich habe Tränen in den Augen...Meine Oma starb, als ich 5 Jahre alt war und trotzdem bin ich voll wunderbarer Erinnerungen an sie. Ihre Schwester lebte bis zu ihrem Tod im Alter von 93 Jahren in unserer Familie. Mit ihr teilte ich mir, bis ich ungefähr 12 war ein Zimmer.Das ist nun fast 30 Jahre her,
    und immer noch vergeht keine Woche, an der ich nicht voller Liebe an sie denke.

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  10. Wie schön, daß Du Dir diese liebevollen Erinnerungen bewahrt hast.
    Ich bedaure sehr, daß ich meine Gr0ßmütter nicht mehr kannte.
    Aber meine Kinder wissen die Erinnerungen
    an ihre Großeltern, die nicht mehr da sind, zu schätzen.
    Und nun sind wir die Großeltern, die versuchen recht viel Erinnerungen zu geben.
    So ist das Leben.

    Liebe Grüße Helga

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  11. Welch liebevolle Hommage an
    Deine Großmutter!
    Viele Grüße Elisabeth

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  12. Hallo Nana,
    bin zufällig über Klaudias kreative Welt zu dir gekommen. das ist ein sehr schöner Nachruf auf deine Oma. Und das Hahnentrittmuster im Stern hat mich wirklich gerührt. So prägen uns die Menschen, mit denen wir aufwachsen und auch die, mit denen wir alt werden. Wie schön, dass du so gute Erinnerungen an sie hast.
    Schöne Grüße, Johanna

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  13. Liebe Nana
    Eine sehr schöne Geschichte.Ich hatte leider keine richtige Oma.Ich bin die eine nur einmal im Leben begegnet.Sie stammte aus Ostpreußen .Ich war einmal bei ihr zu Besuch mit meinem Vater ,welcher nicht bei uns wohnte.Sie fragte mich beim Abendbrot,soll ich Dich noch eine Stulle machen?
    Das ist alles was ich von ihr weiß und ich bin etzt fast siebzig.Das habe ich nie vergessen.
    Oft möchte ich gerne mehr von früher wissen.Habe schon oft im Internet geschaut wo die Großeltern früher lebten.
    Bei Deiner Geschichte sind auch mir die Tränen in die Augen gekommen.
    Liebe Grüße Christa R.

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  14. Hi Nana,
    ich bin durch Zufall auf diesen Blog gestoßen und las gerade die Geschichte mit Deiner Oma. Jetzt sitze ich hier und Tränen laufen mir über das Gesicht.
    Ich habe gelesen, dass es meinen Vorschreiberinnen ähnlich erging. Deine Geschichte berührt !
    Meine Oma hat mich nur bis zum 12. Lebensjahr begleiten können aber es vergeht keine Woche, in der ich nicht an sie denke und ich bin heute 46.

    Ein toller Beitrag und mal wieder ein Grund den Oma's im Himmel zu winken und ihnen zu flüstern, wie sehr man sie vermisst!!!

    LG Kerstin

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Zeit ist kostbar - meine und auch Deine - und so danke ich Dir herzlich für Deinen Kommentar und daß Du Dir die Zeit für mich genommen hast.

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