Samstag, 15. September 2012

Frauenrechtsquilt # 3

Der dritte Block des Grandmothers´ Choice ist da und ich freue mich, Euch heute mein Exemplar zu zeigen. Wie Ihr wißt, widme ich jeden Block einer bestimmten Person oder Gruppe, um auch für mich selbst meinen Quilt zu etwas ganz besonderem zu machen.

Block Nr. 3 widme ich den Frauen des alten Chinas!

Zum ersten Mal traf ich auf dieses Thema, als ich mit meinen Klassenkameraden ins Ledermuseum ging, welches sich in meiner Heimatstadt Offenbach am Main befindet. Dort wird alles mögliche gezeigt was mit Leder zu tun hat, angefangen von der Pelzbekleidung der Eskimos über Lederkoffer über die Lederverarbeitung bis hin zu kleinen Dingen aus Leder. Und da sah ich in einer Vitrine einen klitzekleinen Lederschuh, reich verziert und sehr hübsch, aber merkwürdig aussehend. Daneben ein Wachsding, was nicht wirklich zu erkennen war. Auf dem dabeistehenden Schild war dann die Erklärung: es war der Wachsabdruck eines chinesischen Frauenfußes, der in diesen Schuh paßte. Nun, was soll´s - dachte ich mir - verstehe ich eh nicht. Ich war Schülerin und mit anderen Dingen mehr beschäftigt als mit sowas Abstraktem.

Vor ca. 5 Jahren las ich dann dieses Buch von Lisa See und plötzlich wurde mir vieles klar!

Im alten China wurden Mädchen höheren Standes die Füße gebunden! Dies bedeutete, daß man im jungen Kindesalter ihnen die Füße hart bandagierte, was natürlich schmerzhaft war und sie auch taub machte. Aber da hörte es nicht auf, nein, es ging noch härter weiter. Die Mütter/Großmütter brachen den Mädchen die Fußknochen (bis auf den großen Zeh), banden diese Zehen eng an den Fußballen (also unter die Füße) und manche legten auch Holzstücke oder sowas darunter. Dann wurde bandagiert und immer wieder neu gebrochen und gebunden, bis die Füße aufhörten zu wachsen und sichergestellt war, daß die Knochen nicht mehr zusammenwuchsen. Neben den unsagbaren Schmerzen kamen auch noch schlimme Infektionen der Füße hinzu und manchmal faulte auch das Fleisch. Mit hübschen Bandagen, Parfum und klitzekleinen Schuhchen machte man die Füße hübsch und ansehnlich und je kleiner das verkrüppelte Füßchen, desto erotischer und angesehener die Frau.

Natürlich waren Bäuerinnen verschont, Feldarbeit konnte man so nicht machen, auch machten die Mongolen da nicht mit und so manch anderes Provinzvolk auch nicht, aber "Lotusfüße" - wie man die gebundenen Füße auch nennt - waren nötig, um auch auf dem Heiratsmarkt ganz vorne mit dabei zu sein.

Laufen konnten diese Frauen nicht mehr oder wenn doch, dann nicht weit. Sie verließen kaum mehr das Haus, wurden anfälliger für Krankheiten, wurden breiter (aber auch das war schön damals) und demütiger, weil sie ohne Hilfe nicht wirklich fähig waren, am alltäglichen Leben teilzunehmen.

Erst 1911 verbot die Volksrepublik China das Binden der weiblichen Füße, was aber bis 1930 immernoch gemacht wurde, wenn auch nicht mehr standardmäßig. 1949 verbot die Regierung unter Mao Zedong endgültig das Füßebinden, gut so, aber ich möchte die Jahreszahl wiederholen: 1949!!!!!

Und diesen Block widme ich all den Mädchen von damals, die unter Schmerzensschreien diese Prozedur erleiden mußten, nur um einem Schönheitsideal zu folgen. Ich widme ihn den Frauen des alten Chinas, die kaum das Haus verlassen konnten und auf verkrüppelten Füßen und unter Schmerzen ein leben Leben mußten, was uns heute unvorstellbar ist.



Wer sich gerne genauer informieren möchte, für den habe ich hier einen Wiki-Link, dort findet Ihr auch Bilder.

Kommentare:

  1. Wow,liebe Nana , ich bin wie immer so begeistert von Dir.
    Was haben wir das gut. Und jammern manchmal über blödes Wetter oder andere Kleinigkeiten.
    DANKE !!!!
    Liebe Grüße Grit

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  2. Liebe Nana,
    dein Quilt ist etwas ganz Besonderes und ich freue mich darüber, dass du ihn nähst und uns damit "Dinge" ins Bewußtsein rufst, die zwar bekannt, aber auch verdrängt sind.
    L.G.
    sigisart

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  3. Das muss ja eine schreckliche Zeit gewesen sein ,für die armen Frauen in China,habe schon viel Dokumentationen darüber gesehen ...Frauen gelten auch heute noch nicht viel in diesem tristen Land !!!
    Toll,dass du dine Arbeit ihnen widmest,Kompliment !
    Ich hoffe, China öffnet sich ein bisschen mehr, auch der Tierwelt gegenüber ,es braucht einfach seine Zeit !
    Liebe Grüsse
    Margrit

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  4. Klasse!!!!
    Eine ganz tolle Idee.Bin begeistert!
    LG
    Gitta

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  5. Thank you for reminding us the history of poor Chinese women in previous eras!

    Some women in different cultures are still suffering by such unexceptional traditions unfortunately!

    Your quilt is extraordinary!

    Happy weekend!

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  6. Liebe Nana,
    Danke das du uns aufmerksam machst.

    Liebe Grüße, Marita

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  7. Dein Block sieht wunderschön aus! Mir gefällt auch Deine Idee, zu den blöcken Deine eigenenWidmungen zu machen und die Informationen dazu!
    LG Grit

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  8. Nee Nana...ähm doch, danke für die Info...Du beschreibst lebhaft...und deshalb war es eben gut, beim Scrollen auf Deinen normal entwickelten bestrumpften Fuss zu stoßen. Puh! Ist das eine Aktion, so nen Quilt zu machen? Da wäre ich auch gern dabei. Gruss von Cosmee

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  9. Hallo, Nana, eine äußerst berührende Geschichte, Danke für Deinen Hinweis auf diese Geschichte!!
    Liebe Grüße von Regina

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  10. Und das alles im Namen der Schönheit. Aber auch heute noch werden auf der Erde Frauen verstümmelt, gesteinigt, als Kind verheiratet ... Das Blockmuster kannte ich schon, nur der Name war mir unbekannt. Da lerne ich auch noch dazu, neben den anderen Dingen, die Du uns erzählst.

    LG, Petruschka

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  11. Hallo Nana,

    sehr schön Dein Quilt und vielen Dank für die geschichtliche Einführung dazu.
    Wie schön, dass man Deine Kommentare wieder im Grossen lesen kann:-)
    Lieben Gruss
    Lotti

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Zeit ist kostbar - meine und auch Deine - und so danke ich Dir herzlich für Deinen Kommentar und daß Du Dir die Zeit für mich genommen hast.

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