Samstag, 9. Februar 2013

Frauenrechtsquilt # 24

Samstag ist Frauenblocktag, zumindest bei mir.

Der heutige Post bzw. Widmung ist nichts für schwache Nerven, wer also schnell Albträume bekommt, sollte lieber meinen Blog verlassen und morgen wieder vorbeischauen.

Block Nr. 24 widme ich den weiblichen Opfern der Inquisition bzw. Hexenopfer!

Da mußte ich recherchieren und nicht wenig! Ich habe zwar schon einiges über Folter gehört, über Scheiterhaufen und Hexenverbrennungen, aber es ist nochmal was anderes, wenn man das Thema genauer unter die Lupe nimmt.

Was ist die Inquisition und was geschah da eigentlich genau?
Das Ziel der Inquisition war die Reinhaltung des Glaubens.
Es gab unterschiedliche Inquisitionen, so die spanische, die päpstliche, die bischöflliche. Hier will ich gar nicht näher drauf eingehen, sonst qualmt uns bald der Schädel.

Frauen galten als besonders empfänglich für das Böse, das Satanische, sie wurden einfach "leichter Opfer der schwarzen Magie". Viele Frauen fertigten Kräutertees an oder halfen mit Naturmitteln bei z.B. schweren Geburten, das allein reichte, um zu dem Ruf einer "Hexe" zu kommen.

Um Geständnisse aus den Frauen herauszuholen waren viele Methoden erlaubt. 
Auch während der Inquisition durfte niemand ohne Geständnis verurteilt werden, aber dies zu erhalten war leicht, wenn man diverse Methoden betrachtet, zu denen man zu einem Geständnis kommen konnte. Diverse Methoden, wie z.B. mit einer Nadel in ein Muttermal zu stechen und wenn es blutet, dann war die Frau unschuldig. Es gab jedoch "Nadeln", die gar nicht stachen und schon war die Frau für schuldig befunden. Diese konnte nur gerettet werden und befreit vom Bösen durch Feuer. Wer besonders gnädig sein wollte, schlug der Hexe vor ihrer Verbrennung den Kopf ab.

Der "Hexenhammer" erlaubte sozusagen schriftlich die Verfolgung von Hexen und zusammen mit der sog. Hexenbulle war nun Tor und Tür geöffnet, um denunzierte Frauen den Gar aus zu machen.

Die Foltermethoden waren Bestandteil der peinlichen Befragung und waren so grausam wie natürlich auch effektiv. Daumenschrauben, Streckbank, Wasserfolter, eiserne Jungfrau, Judaswiege, Ketzergabel und mehr. Körperliche Verstümmelung wie das Ausbrennen oder Schrauben der Zunge. Wegen Unsittlichkeit angeklagten Frauen wurden Nase und Ohren abgeschnitten. Es gab eiserne Mundsperren, ein Zwangsgürtel, genannt den spanischen Kitzler, der mit scharfen Zacken gespickt war. Folterrad. Da gibt es viel mehr... Hier, hier, und hier könnt Ihr nachlesen.

In Europa wurden ca. 230.000 Menschen Opfer der Inquisition, 90% davon waren Frauen. Diese Zahlen habe ich von hier. Weitere Informationen gibt es auch noch hier.

Das war jetzt sehr viel "Sachliches", aber irgendwie fehlt mir so das "innere" Bild. Das möchte ich jetzt aufzeichnen.

Ich stelle mir vor, ich lebe im Mittelalter, in einer kleinen Stadt, dort aber außerhalb, am Randgebiet. Ich bin Mutter von drei Kindern, jedem läuft die Nase und hustet. Ich habe Kräuter getrocknet und brühe meinen Kindern einen Sud auf und plötzlich hämmert es an unsere Tür. Drei Männer treten ein und faseln was von Anklage und Beweisen, von Hexerei und Prozess. Während meine Kinder weinen und nach mir rufen, eilt eine Nachbarin herbei und kümmert sich um sie, während mich die Männer mitnehmen.

Die Tür geht knarrend auf und sie holen mich endlich nach zwei Tagen aus diesem finsteren, feuchten und stinkigen Loch heraus, indem wir zu sechst in unserer eigenen Scheiße und der von vielen anderen vor uns hocken. Es stinkt überall, ich habe Hunger und seit zwei Tagen nicht mehr richtig gegessen.

Nachdem sie mich befragen, Stunden über Stunden, ob ich denn eine Hexe sei, ob ein böser Zauber von mir Besitz ergriffen habe und ich daher die Kunst der Giftmischerei beherrschen würde, ob ich schuldig wäre und ich immer wieder leugne und bitte, mich zu meinen Kindern zurückzuschicken, drohen sie mir mit Folter. Ich sage ihnen, es seien einfache Kräutertees und Salben aus Heilpflanzen, keine Hexerei. Ich bitte um Gnade, Angst schnürt mir den Hals zu. Als sie mich in einen anderen Raum führen sehe ich einen Holztisch mit Fesseln, dahinter ein großes Rad... die Streckbank. An der einen Wand glüht heiß ein Kohlebecken und Eisenstäbe liegen darin und warten auf ihren Einsatz. Es stinkt, es riecht nach Urin und Blut, das Stroh auf dem Boden ist faul. Sie zwingen mich auf einen Stuhl und binden mich fest. Sie zwingen meinen rechten Daumen in eine metallene Vorrichtung und drehen mit einem Holzstück an einem Gewinde. Ich habe entsetzliche Angst, denn ich sehe, wie der Bolzen sich meinem Daumen nähert und weiß, daß ich ihnen alles gestehen werde, was sie hören wollen...

Block Nr. 23 widme ich den Frauenopfern der Inquisition.



Kommentare:

  1. Hallo Nana,

    sehr gute Recherche und ein schöner Quilt ist es geworden. Ich habe viele Bücher aus dem Mittelalter gelesen und es war so, die Frau wurde zu schnell als Hexe verurteilt. Die Frau wird ja heute noch in einigen Ländern als schwach angesehen, wird nicht akzeptiert und muss in Demut leben.
    LG Lotti

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  2. Hui, was für ein Thema wieder. Toll ausgearbeitet. Sehr passend finde ich deine Stoffauswahl.
    Liebe Grüße, anngles.

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  3. Und schon wieder habe ich Gänsehaut. Hier in meinem Städtchen wurde im Mittelalter eine Frau mit Namen Merga Bien als Hexe verbrannt. Über diese Frau habe ich auch schon recherchiert, eine dramatische Geschichte. Und an unserem Hexenturm hängt eine Gedenktafel für all die Frauen (und Männer), die der Hexenverfolgung zum Opfer gefallen sind. Merga Bien lebte in meiner Straße und auch hier gibt es eine Büste, die an sie erinnert. Man kann googeln und über sie lesen. Auch ein Theaterstück gibt es. Schrecklich, die Vorstellung... Als ich Kind war, sechs Jahre, sagte meine damalige (gehasste) Lehrerin: Dich hätte man auch als Hexe verbrannt... ich war rothaarig. Schönen Gruss von Cosmee

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  4. Hui Nana ein schwieriges Thema, aber Dein inneres Bild ist gut getroffen. Diese
    kath. Kirche und die Inquisition. Jahrelang habe ich in einer Frauengruppe spanisch gelernt, bei der Landeskunde konnte man wirklich das Grauen bekommen. Mir sind Hexen sehr sympathisch.
    Gut, daß wir hier und heute leben - und nicht z.B in Indien.
    Liebe Grüße Marianne


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  5. Hallo Nana!
    Wieder so ein mutiges Thema. Und da hast du natürlich Recht: diesen Frauen sollte man einen Block widmen! Oft waren es gerade ihre Begabungen, wie Kräuterheilkunde oder Hebammenkünste, die ihnen am Ende auf den Scheiterhaufen verhalfen, statt dass die Menschen ihre Erfolge erkannten. Es zählten immer nur die Misserfolge. Und das ist etwas, was uns auch heute noch zu denken geben sollte....

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  6. Gruselig, nicht wahr. Und dein inneres Bild gibt all die Leiden gut wieder. Unglaublich, auf welche Ideen zur Folter die Leute so kamen. Und der Steinstoff sowie der Feuerstoff passen wieder einmal hervorragend.

    LG, Petruschka

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Zeit ist kostbar - meine und auch Deine - und so danke ich Dir herzlich für Deinen Kommentar und daß Du Dir die Zeit für mich genommen hast.

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