Samstag, 22. Dezember 2012

22. Türchen

Schlüssel drehen und... zieht oder drückt man meine Türchen auf?


Heute bekommt Ihr die letzte Weihnachtserinnerung und Stephanie macht den Abschluß!

Stephanie, geboren 1967

Was gab es an Heiligabend immer zu essen?
Es gab immer was Schönes, z.B. Rinderroulade mit Rotkohl und Kartoffeln und Nachtisch wie Obst mit Sahne oder Pudding. Also nicht unbedingt traditionell, aber lecker!! Ich fand das toll! Besonders die Atmosphäre, da hat mein Vater viel Wert drauf gelegt.

Erzähle von eurem Baum!
Papa hatte da so seine eigenen Ansichten... z.B. war er der Meinung, für einen Weihnachtsbaum zahlt man nicht, sondern man geht in den Wald und sägt sich ein kleines Bäumchen selber ab! Das war in den 70er Jahren auf dem Land und so hat er es immer gemacht. Heute macht man das natürlich nicht mehr, wo kämen wir da hin! Heute sägt er immernoch selbst, aber nur noch einen Zweig, der dann geschmückt wird.

Kam zu euch der Weihnachtsmann oder das Christkind?
Zu uns kam der Weihnachtsmann und als meine Schwester klein war, mußte ich mich verkleiden und ihn spielen! Hab mich aber selbst verraten, da sie meine Stimme erkannt hat!

Wie lief die Bescherung ab?
Vormittags durfte ich den Baum mit meinen Eltern schmücken, dann wurden alle Geschenke unter den Baum gelegt, ich durfte sie aus einiger Entfernung bewundern, aber nicht anfassen. Dann gab es lecker Kaffee und Kuchen mit den Großeltern. Ca. 16 Uhr gingen wir dann zu Fuß in die Kirche und danach war dann Bescherung. Kann auch sein, daß wir nach der Kirche Kaffee getrunken haben. Ich habe mir immer viel Zeit gelassen mit dem Auspacken und den ganzen Laden aufgehalten, weil ich es so genossen habe.

An welches Weihnachten erinnerst du dich am besten?
Ich denke, da war ich so 8 oder 10 Jahre, da hatte Weihnachten noch so richtigen Zauber. Es lief so ab wie schon beschrieben, ich erinnere mich auch an schöne Weihnachtsmusik im Hintergrund, es war sehr festlich und harmonisch. Ich erinnere mich, daß Papa noch schnell Nachrichten im Fernsehen schauen wollte, aber das war Weihnachten tabu, da hat Mutter gestreikt, für sie paßte Fernsehen und Weihnachten nicht zusammen.

Was war das schönste Geschenk, was du damals bekommen hast?
Da brauch ich gar nicht nachzudenken... es war ein Kinder-Webstuhl! Bis tief in die Nacht hab ich auf dem Teil gewebt... nichts hat mir nachher mehr Freude gemacht wie das Weben an diesem Abend! Und eine selbstgestrickte Puppe von meiner Mutter, hab sie heiß und innig geliebt... hab sie heute noch.

Was war dein Lieblingsweihnachtslied?
Ich glaube, es fing so an... Kling, Glöckchen, klingelingeling... kling, Glöckchen, kling... macht mir auf das Türchen, laßt mich nicht erfrieren usw. Das hat meine Oma oft mit mir gesungen.

Hast du heute noch das gleiche Lieblingsweihnachtslied?
Ich denke gerne an die alten Lieder zurück... z.B. Stille Nacht, heilige Nacht... aber sonst mag ich verschiedene.

Was kochst du heute an Heiligabend?
So richtig traditionell nicht, aber was Schönes. Brathähnchen, Entenbrust oder Roullade.

Was würdest du gerne vom damaligen ins heutige Weihnachten mitnehmen?
Die Atmosphäre, die glückliche Unbeschwertheit und ganz besonders gerne ein lachendes Kindergesicht. Hier sind alle erwachsen und keine kleinen Kinder da im Moment.

Was für ein Geschenk ist bis dato unerfüllt geblieben?
Heute will ich es nicht mehr... aber damals wollte ich unbedingt ein Kettcar! So ein flaches Dreirad ähnliches Ding, mit Kettenantrieb zum Treten.

Und wenn du Jesus treffen könntest, was würdest du ihm sagen/ihn fragen/ihm geben?
Ich weiß es nicht... natürlich weiß ich die Bedeutung von Jesus und Weihnachten, er war aber in meiner Erziehung eher kein Thema. Mehr so... Glaub wenn du willst... oder auch nicht. Vielleicht würde ich ihn fragen, warum ich den Weg zu Gott nicht richtig finden kann... wer glaubt findet Halt und Hoffnung.
Ich würde versuchen ihm zu sagen, wie nachhaltig er die Menschen beeinflußt hat. Ich glaube, ich könnte ihm nichts geben, was er haben wollte.

Fällt dir noch was ein, was du uns sagen möchtest?
Ich möchte dir, liebe Nana, danken für diesen Fragebogen... denn du hast Erinnerungen in mir wach gerufen, die schon lange vergraben waren und mir bewußt gemacht, wie viel Mühe sich damals meine Eltern mit uns gegeben haben... frohe Weihnachten wünsche ich dir!

Danke, das wünsche ich Dir auch.
Ich schätze, in meinem Adventskalender wurden in vielen Herzen und Köpfen Erinnerungen wach. Manche ließen uns lächeln und schmunzeln, manche machten uns traurig und wehmütig.
Big Mama fragte neulich in einem Kommentar: Wieso ist man zu dieser Zeit immer so nah am Wasser gebaut? Ich weiß es auch nicht, aber Du stehst nicht alleine da mit Deinem Kloß im Hals und den Tränen in den Augen!

So will ich auch das letzte Weihnachtsstöffchen zeigen:


Und weil heute irgendwie ein besonderer Tag ist, vielleicht eine Art Abschlußtag, gibt´s noch dieses wunderschöne Gedicht... ein bischen lang, aber einfach nur schön.

Ans Christkind

Warum bist Du auf diese Welt,
o Kind, so klein gekommen?
Hast nicht wie als großer Held,
ein gülden Schwert genommen.
Warum in Windeln und in Stroh,
läßt Du so klein Dich betten?
Ist das denn besser, schöner so,
als Samt und Perlenketten?

O kämest Du wohl hoch zu Roß,
auf Schimmel oder Rappen,
in einem sonnenhellen Troß,
von Rittern und von Knappen.
Dann beugten sich wohl tief vor Dir,
die allersteifsten Rücken,
doch so ein Kind - ich zweifle schier,
ob sie noch gern sich bücken?

Als sesselhohes Büblein hab
ich mich umsonst beraten,
nun bin ich schon ein kluger Knab´
und hab es, glaub´s, erraten.
Denn kämest Du in Glanz daher,
ein König oder Kaiser,
ach, das erschreckte uns gar sehr,
da kommst Du lieber leiser.

Da kommst Du lieber klein und schwach,
in einem dünnen Windlein,
und kaum beschirmt vom Hüttendach,
fast wie ein Bettelkindlein.
Daß sich der allerärmste Mann
Dir nahe ohne Zaudern,
und daß das dümmste Bübchen kann,
mit Dir vom Himmel plaudern.

Und darum kommst Du wie ein Kind,
daß auch die großen Leute,
die hoch und stolz wie Bäume sind,
zum Kinde werden heute.
Ja, jeder werde unschuldvoll,
wie in den ersten Jahren,
beim neugebornen Heiland soll
er Neugeburt erfahren.

Und fürchte keiner, daß er klein
und schwach für´s Leben werde,
hat nicht das Christkind ganz allein,
besiegt ringsum die Erde?
O Heiland in Mariens Schoß,
heut lehre uns erkennen,
daß nichts so heilig ist und groß,
als sich Dein Kind zu nennen!

Heinrich Federer

 


Kommentare:

  1. Liebe Nana,
    wieder eine sehr schöne Weihnachtserinnerung. Nun hat Dein schöner Kalender nur noch 2 Türchen.
    Liebe GRüße Grit

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  2. Schlüssel? Ich drücke die Klinke runter und ziehe die Tür auf, sie knarrt immer ein bisschen.... Wir gehen erst in die Kirche, essen dann gemütlich etwas Schnelles. Der Anspruch der Familie liegt auf "etwas Schnelles". Bei uns gibt's nämlich ein Geschenkeauspackritual, das den ganzen Abend ziert: alle Päckchen liegen unterm Baum und abwechselnd wird ausgepackt, die anderen sehen zu und freuen sich mit. Und weil jeder jedem etwas oder auch mehrere Kleinigkeiten schenkt, sind das viele Päckchen. Ich freu mich jetzt schon (und in meinem Alter immer noch!) auf diesen Abend, der immer noch einen Zauber inne hat.

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  3. Liebe Nana,
    vor lauter eigenen Streß komme sogar heute erst jetzt dazu reinzuschauen, aber sie ist schön, sehr schön die Weihnachtserinnerung.
    Ein sehr sehr schönes Gedicht, das kannich jetzt noch garnicht.
    herzlichst
    Uta

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  4. Schööön! Habs nochmal alles gelesen....bald ist dein Kalender voll und es war eine sehr gelungene Sache. Hoffentlich begleitest du uns nächstes Jahr wieder so schön.
    Liebe weihnachtliche Grüße von Steffie

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  5. Liebe Nana,
    wieder eine schöne Erinnerung an Weihnachten - es war sehr lieb von Dir so einen zu Herzen gehenden Adventskalender zu gestalten, und ich sage DANKE und wünsche Euch fröhliche Weihnachten.
    Tschüssi
    Lotti

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Zeit ist kostbar - meine und auch Deine - und so danke ich Dir herzlich für Deinen Kommentar und daß Du Dir die Zeit für mich genommen hast.

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