Samstag, 1. Dezember 2012

1. Türchen

 Ich freue mich so, denn heute öffne ich das erste Türchen meines Adventskalenders für Euch!

Die nächsten 24 Tage darf ich Euch vielleicht begleiten durch diese wundervolle Zeit voller Vorfreude, Hektik, Terminjagd und vielleicht auch ein paar besinnlichen Minuten. Und wenn Ihr dann so vor Eurem PC oder Laptop oder was auch immer sitzt und mit mir die Türchen öffnet, haltet Ihr für ein paar Minuten inne... wunderbar!

Das erste Türchen geht auf...


... und heute wollen wir mal einem Herren den Vortritt lassen!

Ein paar Menschen fragte ich, ob sie mich bei meinem Adventskalender unterstützen mögen und bekam nur positive Antworten. So durfte ich Fragen stellen und das, was sie mir erzählten, daß könnt Ihr an so manchem Tag hier nachlesen.

Schaut selbst, wie Thomas Weinachten erlebte:

Thomas, geboren 1972

Was gab es als Kind an Heiligabend immer zu essen und wie fandest du das?
Thomas: In aller Regel Geflügel (Pute). Das war immer sehr lecker. Im Gegensatz zu anderen Familien gab es bei uns die Pute auch schon am Heiligabend. Ich erinnere mich, daß es später sogar einmal Fasan an Heiligabend gab. Das ist mir als "besonders" in Erinnerung geblieben.

Erzähle von eurem Baum!
Der Baum wurde meist auf dem "letzten Drücker" geholt. Meine Eltern, nicht besonders wohlhabend und alte "Sparfüchse", sind immer gerne direkt an Heiligabend zu den Verkaufsstellen gegangen, wenn die Verkäufer ihre Bäume "loswerden" wollten. So gab es dann gerne schon mal einen Baum für 10 Mark, der dann aber schon mal entsprechend aussah...! Komischerweise hat das aber immer geklappt. Es gab immer einen Baum!


Kam zu euch der Weihnachtsmann oder das Christkind?
Der Weihnachtsmann.


Wie lief die Bescherung ab?
Mein Bruder und ich mußten uns über den Nachmittag fertig machen (baden, schick anziehen) und uns dann in unser Zimmer begeben. Dort durften wir dann auch schon mal fernsehen. Das war in der damaligen Zeit nicht normal, denn wir hatten keinen Fernseher in unserem Zimmer. Meine Eltern hatten einen alten, kleinen s/w-Fernseher in ihrem Schlafzimmer. Das war so ein Teil mit Ausziehantennen. Den durften wir dann ins Zimmer holen und fernsehen schauen. Das Zimmer durften wir nicht verlassen. Wir haben damals ein Reihenhaus bewohnt und unser Zimmer befand sich ganz oben. Ich erinner mich, daß wir während der Wartezeit auf den Weihnachtsmann oben aus dem Fenster geschaut haben. Von dort haben wir beobachtet, was in den anderen Häusern los war.
Während wir also gewartet haben, hat meine Mutter das Essen zubereitet und mein Vater hat den Tannenbaum aufgestellt und geschmückt. Wenn dann unten alles fertig war, wurden wir gerufen. Das war meist am frühen Abend. Wir mußten erst einmal vor der verschlossenen Wohnzimmertür warten. Das erhöhte die Spannung. Dann durften wir das Wohnzimmer betreten. Beim Betreten des Wohnzimmers hatten meine Eltern es immer so abgepasst, daß zu diesem Zeitpunkt eine Weihnachtsschallplatte oder auch -kassette lief. Beim Betreten des Raumes war dann immer das Glockengeläut zu hören, welches immer am Anfang dieser Tonträger vorhanden ist. Dann bestaunten wir den Tannenbaum. Alles war sehr festlich und das Wohnzimmer strahlte eine gewisse Wärme und Festlichkeit aus.
Die Geschenke lagen zu diesem Zeitpunkt bereits unter dem Tannenbaum. Diese durften wir aber noch nicht öffnen. Erst einmal mußte gemeinsam gegessen werden. Nach dem Essen mußten wir uns dann aufstellen und ein Gedicht aufsagen. Erst wenn das geschehen war, durften wir (endlich!) die Geschenke öffnen. Das war schon etwas ganz Besonderes und wir haben uns wahnsinnig gefreut.

Was war das Weihnachten, an welches du dich am besten erinnern kannst?
Ich habe mir als Kind einmal eine Eisenbahn von Playmobil gewünscht. Ich kann mich gut daran erinnern, daß ich nicht damit gerechnet hatte, dieses zu bekommen, denn ich dachte mir schon, daß dieser Wunsch doch eventuell zu groß sei. Es gab damals ja noch nicht die große Geschenkeflut, so wie heute...! Umso erstaunlicher und glücklicher war ich, als diese Eisenbahn dann unter dem Tannebaum lag. Ich erinnere mich, daß ich so aufgeregt war, daß ich nach der Bescherung, mitten in der Nacht, noch einmal aufgestanden bin und mit der Eisenbahn gespielt habe.

Was war dein Lieblingsweihnachtslied?
Ich hatte kein Lieblingsweihnachtslied. Ich fand unsere traditionellen Lieder, die wir an Weihnachten von der Schallplatte oder Kassette hörten, schon als Kind altbacken und langweilig. Ich habe mich bereits als Kind gesträubt, diese Lieder zu singen. Warum das so ist, weiß ich allerdings nicht.

Heute habe ich allerdings "Favourites", die wir damals nicht hörten: Dean Martin / White christmas und Let it snow. Auf Grund meiner Affinität zu Schweden habe ich auch zwei schwedische Lieblingsweihnachtslieder: Loa Falkman / Gläns över sjö och strand und Tommy Körberg / O Helga Natt. Außerdem mag ich I´ll be home for christman und Rudolph the red nosed reindeer sehr gerne. Diese Lieder gehören für mich zu Weihnachten dazu.

Was kochst du heute an Heiligabend?
Verschiedenes, aber Geflügel überwiegt auch noch heute. Da meine Frau spanische Wurzeln hat,  gibt es auch schon mal außergewöhnliche Gerichte. Aber auch heute machen wir bereits an Heiligabend ein "richtiges" Essen, also keinen Kartoffelsalat oder ähnliches.


Was würdest Du gerne vom damaligen Weihnachten mit ins heutige Weihnachten nehmen?
Etwas, was vermutlich nicht möglich ist - das "Weihnachtsgefühl". Ich erinnere mich an das Weihnachtsgefühl, das damals schon zur Adventszeit aufkam. Draußen wurde es kalt und es gab den ersten Frost (manchmal auch Schnee). Drinnen wurde es schon einmal vorweihnachtlich geschmückt, der Adventskranz sowie Mandarinen und Nüsse kamen auf den Tisch und das ganze Leben wurde etwas langsamer und vielleicht auch besinnlicher. Die meisten Menschen waren irgendwie vorweihnachtlich gestimmt. Auch die Innenstädte und Geschäfte waren schön geschmückt. Das hat sich leider heute komplett geändert. Alles ist wahnsinnig schnell und kommerziell geworden. Die Menschen, die Innenstädte und selbst der Weihnachtsschmuck sind nach meinem Empfinden sehr kalt geworden und das Weihnachtsgefühl von damals will einfach nicht mehr aufkommen. Bis zum Heiligabend ist alles sehr schnelllebig und selbst das Weihnachtsfest als solches ist wahnsinnig schnell vorbei. Ich hätte gerne das Weihnachtsgefühl von damals mit in die heutige Zeit genommen. Doch das ist wohl nicht möglich...!

Was für ein Geschenk ist bis dato unerfüllt geblieben?
Eigentlich gar keins. Früher gab es ja noch nicht die riesengroßen Geschenke, die heute schon "Satz" sind. Entsprechend kleiner und bescheidener waren auch unsere Wünsche. Und diese sind dann, in aller Regel, auch erfüllt worden.

Und wenn Du Jesus treffen könntest (dessen Geburtstag wir ja feiern), was würdest du ihn fragen/ihm sagen/ihm geben oder was auch immer?
Jesus? Naja, um ehrlich zu sein, bin ich kein besonders gläubiger Mensch. Sollte ich ihn tatsächlich treffen können, so würde ich ihn mal fragen, was er von der Art hält, in welcher heutzutage sein Geburtstag "zelebriert" wird. Das würde mich echt mal interessieren...!

Liegt dir sonst noch was am Herzen, was du uns sagen möchtest?
Es wäre schön, wenn die Menschen sich wieder darauf besinnen, was Weihnachten eigentlich bedeutet. Wenn das ganze wieder mehr zu einem Familienfest wird, die Menschen zur Vorweihnachtszeit und über Weihnachten wieder Wärme in sich tragen und der ganze Kommerz aufhören würde. Aber das wird (leider) nicht geschehen...!

Da sage ich danke, Thomas!

Und als ein kleines bischen weihnachtlicher Einstimmung, will ich Euch heute einen schönen Stoff zeigen:


Und um Euch ein bischen "einzuheizen" in puncto Weihnachten, hier noch ein paar Infos:

Im Mittelalter beschenkte man sich z.B. am Nikolaustag. Das machte Sinn, denn der Heilige Nikolaus von Myra ist dafür bekannt, Menschen in Not zu helfen, meist mit Geschenken. Und während 1535 Martin Luthers Kinder noch vom Nikolaus die Geschenke erhielten, bekamen sie sie ein Jahrzehnt später bereits vom Heiligen Christ. Aus diesem wurde im Laufe der Zeit dann das Christkind. In Deutschland ist dieser Brauch der Geschenke zu Nikolaus noch nicht ausgestorben, das Überbleibsel ist der Nikolaustag, ab dem die Kinder etwas Kleines bekommen. In einigen Ländern ist der Brauch der Weihnachtsbescherung auch weiterhin der Nikolaustag.

Und für diejenigen unter Euch, die noch ein wenig mehr wissen wollen, lest weiter:

Nikolaus wurd in etwa 270-286 n. Chr. geboren, nahe der Stadt Myra, welches in der heutigen Türkei liegt und Kocademre heißt. In welchem Jahr Nikolaus gestorben ist, ist unklar, aber es war der 6. Dezember. Als Sohn reicher Eltern soll er angeblich das Vermögen unter den Armen verteilt haben.



Und wir wollen jetzt eine schöne Weihnachtsstimmung verteilen... auf morgen, zur zweiten Tür.

10 Kommentare:

  1. Hallo liebe Nana,
    das ist ja mal ein ganz anderer Adventskalender und die Erinnerung von Thomas sehr interessant. Doch Deine geschichtliche Erklärung über den Nikolaus fand ich auch sehr gut, man hat doch viel in all den Jahren vergessen. Du gibst Dir viel Mühe Deinen Blog sehr interessant zu gestalten und so komme ich gerne oftmals vorbei.
    Eine schöne Adventszeit wünsche ich Dir.

    LG Lotti

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  2. Ich bin zwei Jahre älter als Thomas und habe sehr ähnliche Erinnerungen. Weihnachten ist als Kind was ganz anderes als als Erwachsener. Ich habe meinem Kind viele dieser 70er Jahre Traditionen übermittelt und sie besteht bis heute darauf, obwohl sie inzwischen 13 ist und natürlich nicht mehr an das Christkind glaubt.
    Eine schöne Adventszeit.
    Liebe Grüße
    Bianca

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  3. Liebe Nana,
    so habe ich Deinen Adventskalender nicht erwartet. Tolle Idee. Die Geschichte, die Thomas zu erzählen hat, ruft bei mir viele Erinnerungen wach. An Dich Danke dafür, dass Du so etwas für uns machst. Freue mich schon auf das nächste Türchen.
    Liebe Grüße Anke

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  4. Ich staune immer wieder Liebe Nana, was du dir für Gedanken machst, was du für tolle Ideen hast und mit wieviel Liebe du deinen Blog führst und mit uns teilst.....und die Geschichte von Thomas weckt in mir Erinnerungen an einen längst vergessenen Fragebogen...Lach!
    Danke dir für die schöne Weihnachtsstimmung
    Viele Liebe Grüße von Steffie

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  5. Hallo Liebe Nana so eine schöne Idee, da werde ichbegeistert weiter die Türen öffnen LG Marika

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  6. Liebe Nana,
    eine tolle Idee, mein Sohn ist 1973 geboren, jetzt kann ich ihn nicht fragen,weil er weiter wegwohnt, würde mich ja sehr interessieren ob er es genauso für sich erlebt hat.
    Mich hat diese Geschichte jedenfalls sehr nachdenklich gestimmt, hab vielen Dank.

    Viele liebe Grüße
    Uta

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  7. Liebe Nana, ich gebe zu, dass ich sehr gespannt war auf das erste Türchen deines Kalenders. Toll, du hast dir soviel Mühe gemacht.Ja das erste Türchen stimmt auf die Adventszeit ein. Vielen Dank.
    Liebe Grüße, anngles.

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  8. Schön! Und interessant zu lesen, das Interview. Bin gespannt auf morgen. Lieben Gruss von cosmee

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  9. Ach ja , das Weihnachtsessen und der Baum - was hatten wir manchmal für Krücken. Aber schön war es immer. Danke für deine Geschichte - wieviel Zeit du dafür investierst, beachtlich.

    LG, Petruschka

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  10. Liebe Nana,
    einfach schön, was Du für uns machst.
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen 1. Advent.
    Liebe Grüße Grit

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Ich behalte mir vor, nach eigenem Ermessen Kommentare zu löschen.

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